In der zehnten Sitzung haben wir uns mit der Bedeutung des Geschlechts im Death Metal befasst. Hierzu haben wir uns den Text „The Price of Rebellion: Gender Boundaries in the Death Metal Scene“ von Sonia Vasan als Quelle genommen. In diesem beschreibt sie die Death Metal-Szene als männerdominiert und frauenfeindlich; so sind Gewalt, oft gegenüber Frauen - wie hier exemplarisch an dem treffenden Titel „Fucked with a Knife“ der US-amerikanischen Band Cannibal Corpse dargestellt - Verstümmelungen, Leichen und anti-christliche Ideologien elementare Themen des Genres.
Warum also gibt es bei solch abschreckenden Inhalten überhaupt einen nennenswerten weiblichen Anteil unter den Fans? Vasan analysiert das Verhalten der betroffenen Frauen anhand der „social exchange theory“, nach der es diese aus der Gesellschaft in Subkulturen zieht, da sie erstere als unterdrückend empfinden und in letzteren eine „empowerment“, also eine Art Selbstbemächtigung finden, mit der sie aus der Unmündigkeit der Mehrheitsgesellschaft ausbrechen können. In der Death Metal-Szene erfordere dieser Prozess jedoch die Angleichung der Frau an den Mann, Anerkennung erhält nur jenes Szenemitglied, das martialisch auftritt, sich passend kleidet, tätowiert ist, usw., während feminine - sprich: aufreizende - Kleidung und Verhaltensweisen paradoxer Weise zur Ausgrenzung seitens der männlichen Fans führt. Dabei behalten die „Mannsweiber“ ihre gleichwertige Stellung mit ihren andersgeschlechtlichen Szenekameraden.
Gleichzeitig wird durch diverse Interviewausschnitte mit weiblichen Fans deutlich, dass der Verlust ihrer Weiblichkeit durchaus belastend wirkt und nicht in jedem Falle freiwillig geschieht: „one of the things that, um, I had to trade for respect was, was my sensuality, was my sexuality. Um, because as a woman, or as a single woman, I was gonna say, in the scene, like, you know.“, beklagt etwa eine Betroffene und erzählt von den konservativen Ansichten der Männer in ihrem Umfeld, welche sie in ein Quasi-Zöllibat zwingen, da zu viele und zu schnell wechselnde Partner ihrem Ansehen schaden würden.
Abschließend spekuliert Vasan noch über die Zukunft des Death Metal, so etwa, ob die zunehmend weibliche Fanlandschaft die Szene grundlegend ändern könnte, ob auch all diese Frauen sich den gegebenen Rollenbildern anpassen oder sie sich etwa komplett herauslösen und eigene Subkulturen bilden könnten, wie etwa zuvor im Punkrock. Die weitere Entwicklung bleibt wohl abzuwarten.
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| Alissa White-Gluz ist Sängerin bei der schwedishen Death Metal-Band Arch Enemy. Funktionert Gender vielleicht anders in der schwedischen als in der US- amerikanischen Death Metal-Szene? |

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