Nachdem wir uns in den vergangenen Sitzungen anhand von musikalischen Eindrücken und einem
Film hauptsächlich audiovisuell mit dem Phänomen Heavy Metal befassten, ging es in der fünften
Sitzung von der Praxis vertiefter in die Theorie. Um unsere bunt gemischte Truppe auf ein ähnliches
Wissensniveau zu bringen und somit spezifischer diskutieren zu können, haben wir drei Texte zum
Thema Pagan-Metal gelesen und im Folgenden die wichtigsten Erkenntnisse besprochen.
Bei den ausgewählten Forschungstexten handelt es sich um
Pagan metal von Deena Weinstein, Barbarians and Literature – Viking Metal and its Links to Old Norse Mythology von Imke von Helden sowie 'Hold the Heathen Hammer High`: representation, re-enactment and the construction of `Pagan`heritage von Steven P. Ashby und John Schofield. In allen Texten waren sowohl zahlreiche Gemeinsamkeiten, als auch definitorische Unterschiede bezüglich Pagan-Metal auszumachen, weshalb sich ein Überblick über Theorien, Merkmale und zeitliche Einordnungen anbot, bevor man sich mit der Frage nach einer sinnvollen praktischen Anwendung an der Musik befassen konnte.
Nach Weinstein wurde Pagan-Metal in den 1990-er Jahren insbesondere durch die Bands Bathory, Enslaved und Amorphis ins Leben gerufen und verbreitete sich neben Skandinavien auch in den USA sowie in Großbritannien. Es ist eine Richtung, die nicht musikalisch, sondern durch seine Merkmale Natur und Heroismus definiert wird. Dabei unterscheidet Weinstein drei verschiedene Arten des Pagan-Metal:
Von Helden sieht die Ursprünge des Pagan-Metal bereits in den 1980-er Jahren, ebenfalls anhand der Bands Enslaved, Bathory sowie Amon Amarth. Für sie bildet Pagan als Äquivalent des Viking- Metal ein Subgenre des Heavy-Metal, welches sich in erster Linie mit Vikingerkultur, Mythologie, religiöser Unterdrückung, pre-christlicher Religion, Alkohol, Natur und Sprache befasst. Dabei werden zwei verschiedene Theorien verwendet. Zum einen Pagan-Metal als Eskapismus, als romantische Verklärung von Heldentum, Kampf und Zusammenhalt und zum anderen der Versuch der historisch korrekten Darstellung der Vikingervergangenheit. Insbesondere für letztgenannte Theorie werden gerne und häufig alte Saga-Texte durch Zitation, Interpretation oder Nacherzählung vertont. Im Gegensatz zu einigen ihrer Forschungskollegen sieht von Helden keine starke Bezeihung zwischen Viking-Metal und Religion.
Ashby und Schofield gehen das Thema Pagan-Metal kulturanthropologischer an, indem sie sich in erster Linie mit „heritage“, mit dem (Kultur-) Erbe beschäftigen und untersuchen, wie Geschichte in den zahlreichen Liedtexten verwendet wird und was jene Verwendungen über die aktuelle Gesellschaft und Kultur aussagt. Für sie zeichnet sich Pagan-Metal durch die Beschreibung und Kultivierung historischer Plätze , durch Volkslieder und Mythen aus, die anhand ihres Kulturgutes als Spiegel für unsere Zeit dienen können.
In diesem Sinne verkörpert insbesondere die Band Tyr nach Ashby und Schofield eine charakteristische Pagan-Metal-Band.
Da Tyr sich zudem auch in unserer Gruppe als eine der favorisierten Bands hervortat, bot es sich also an, sämtliche erarbeitete Theorien und Merkmale zu Fragengruppen zu formulieren und diese
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| Die schwedische Band Bathoty hat eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Genres "Pagan Metal" gespielt. |
Pagan metal von Deena Weinstein, Barbarians and Literature – Viking Metal and its Links to Old Norse Mythology von Imke von Helden sowie 'Hold the Heathen Hammer High`: representation, re-enactment and the construction of `Pagan`heritage von Steven P. Ashby und John Schofield. In allen Texten waren sowohl zahlreiche Gemeinsamkeiten, als auch definitorische Unterschiede bezüglich Pagan-Metal auszumachen, weshalb sich ein Überblick über Theorien, Merkmale und zeitliche Einordnungen anbot, bevor man sich mit der Frage nach einer sinnvollen praktischen Anwendung an der Musik befassen konnte.
Nach Weinstein wurde Pagan-Metal in den 1990-er Jahren insbesondere durch die Bands Bathory, Enslaved und Amorphis ins Leben gerufen und verbreitete sich neben Skandinavien auch in den USA sowie in Großbritannien. Es ist eine Richtung, die nicht musikalisch, sondern durch seine Merkmale Natur und Heroismus definiert wird. Dabei unterscheidet Weinstein drei verschiedene Arten des Pagan-Metal:
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1) Neo-Paganism, der sich vorwiegend mit der Mystik und Hexenkraft beschäftigt,
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2) Roots-Paganism, der sich vorwiegend mit dem Kulturerbe eines Volkes beschäftigt und
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3) Chauvinistic-Paganism, der sich vorwiegend damit beschäftigt, alle anderen Theorien und
Richtungen zu kritisieren und abzulehnen.
Von Helden sieht die Ursprünge des Pagan-Metal bereits in den 1980-er Jahren, ebenfalls anhand der Bands Enslaved, Bathory sowie Amon Amarth. Für sie bildet Pagan als Äquivalent des Viking- Metal ein Subgenre des Heavy-Metal, welches sich in erster Linie mit Vikingerkultur, Mythologie, religiöser Unterdrückung, pre-christlicher Religion, Alkohol, Natur und Sprache befasst. Dabei werden zwei verschiedene Theorien verwendet. Zum einen Pagan-Metal als Eskapismus, als romantische Verklärung von Heldentum, Kampf und Zusammenhalt und zum anderen der Versuch der historisch korrekten Darstellung der Vikingervergangenheit. Insbesondere für letztgenannte Theorie werden gerne und häufig alte Saga-Texte durch Zitation, Interpretation oder Nacherzählung vertont. Im Gegensatz zu einigen ihrer Forschungskollegen sieht von Helden keine starke Bezeihung zwischen Viking-Metal und Religion.
Ashby und Schofield gehen das Thema Pagan-Metal kulturanthropologischer an, indem sie sich in erster Linie mit „heritage“, mit dem (Kultur-) Erbe beschäftigen und untersuchen, wie Geschichte in den zahlreichen Liedtexten verwendet wird und was jene Verwendungen über die aktuelle Gesellschaft und Kultur aussagt. Für sie zeichnet sich Pagan-Metal durch die Beschreibung und Kultivierung historischer Plätze , durch Volkslieder und Mythen aus, die anhand ihres Kulturgutes als Spiegel für unsere Zeit dienen können.
In diesem Sinne verkörpert insbesondere die Band Tyr nach Ashby und Schofield eine charakteristische Pagan-Metal-Band.
Da Tyr sich zudem auch in unserer Gruppe als eine der favorisierten Bands hervortat, bot es sich also an, sämtliche erarbeitete Theorien und Merkmale zu Fragengruppen zu formulieren und diese
im Folgenden an Liedern von Tyr, sowohl aus älteren, als auch aus jüngeren Jahren zu beantworten.
So gilt es zu untersuchen:
* welcher der Weinsteinschen Pagan-Formen Tyr zuzuordenen ist
* welche Sprache verwendet wird und was das über die nationale und internationale Entwicklung von Pagan-Metal aussagen kann
* wie sich die Texte über die Jahre entwickeln
* welche der zahlreichen in den drei Forschungstexten genannten Merkmale auf Tyr zutrifft
* welche politischen, religiösen oder gesellschaftlichen Aspekte aufgegriffen werden
* ob Tyr eher eskapistisch oder historisch korrekt arbeitet (z.B. heroische oder alltägliche Vikingerdarstellung)

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